Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Laos: Wirtschaft

25.02.2019 - Artikel

Wirtschaftsstruktur

Nach wie vor sind rund 75 % der Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt, davon ein großer Teil noch in Subsistenzwirtschaft. Die Land-, Forst- und Fischwirtschaft erwirtschaftet knapp 20 % des BSP. In den letzten Jahren ist eine deutliche Zunahme agroindustrieller Investitionen vor allem aus China, Thailand und Vietnam meist in Form der Konzessionsvergabe zu beobachten. Bergbau, Energie (insbesondere Wasserkraft), Leichtindustrie (darunter die auch für bekannte europäische Marken arbeitende Textilindustrie mit ca. 60.000 Arbeitsplätzen) und Tourismus wurden in den Jahren nach der wirtschaftlichen Öffnung Mitte der 1980er Jahre zu wichtigen Wirtschaftsmotoren, die mehr und mehr die wirtschaftliche Entwicklung prägen. Die Industrie einschließlich Bergbau trägt rund 26 % zur Erwirtschaftung des BSP bei, der Dienstleistungssektor etwa 47 % und der Bausektor rund 6 %.  Ein Ausbau der Energieerzeugung ist von derzeit 6,4 auf 13 GW bis 2021 geplant, die Planung des Zuwachses konzentriert sich auf eine Ausweitung von  Wasserkraft, insbesondere auf dem Hauptstrom des Mekong. Von der erzeugten Energie sollen 85 % in Nachbarländer exportiert werden. Das industrielle Potential (Fertigung) ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft: Die Regierung versucht, durch Anwerbung ausländischer Investoren zunehmend Industriearbeitsplätze als Ersatz für Arbeit in der Subsistenzlandwirtschaft zu schaffen.

Internationale Verflechtung

Laos ist der Welthandelsorganisation (WTO)  im Februar 2013 beigetreten. Seit dem 1. Januar 2016 besteht die ASEAN Economic Community (AEC) unter dem Dach von ASEAN, die u.a. die Abschaffung von Zöllen zwischen den ASEAN-Staaten und sukzessive die Schaffung eines einheitlichen Arbeitsmarktes anstrebt. Nach wie vor bleibt der Intra-ASEAN-Handel weit hinter dem Handelsaustausch mit Drittländern zurück; während Zölle reduziert werden wirken sich nicht-tarifäre Handelshemmnisse zunehmend aus. Die wichtigsten Wirtschaftsbeziehungen unterhält Laos zu den Nachbarländern China, Vietnam und Thailand, die mit Malaysia zugleich die größten Auslandsinvestoren sind. Sonderwirtschaftszonen sollen die Attraktivität für ausländische Investoren erhöhen. Die hier gebotenen Möglichkeiten werden derzeit vor allem von japanischen und koreanischen Unternehmen genutzt (Autoteile, Digitalkameras u.a.m., Outsourcing aus Thailand), vermehrt engagieren sich auch chinesische und thailändische Unternehmen; es gibt auch einzelne europäische und nordamerikanische Investoren. Zwar bemüht sich die Regierung um Verbesserung der Standortqualitäten (neues Investitionsgesetz, „Single Window“-Registrierung, Web-Informationen in englischer Sprache); doch bleiben der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, Rechtsunsicherheit und Korruption Herausforderungen für Investoren. Die seit Anfang 2015 mit EU-Förderung arbeitende Europäische Industrie- und Handelskammer in Laos (ECCIL) unterstützt deutsche und europäische Firmen mit Standorten in Europa und den Nachbarländern bei ihrem Engagement in Laos.

Aktuelle Wirtschaftslage

Laos zählt zu den am stärksten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Während das Wachstum im Baugewerbe zuletzt etwas stagnierte, zog es insbesondere in der Elektrizitätswirtschaft merklich und im Bergbau leicht an. Es bleibt eine große Herausforderung, die jährlich etwa 250.000 Neuzugänge für den Arbeitsmarkt ausreichend zu qualifizieren. Die Anzahl von Absolventen qualifizierter beruflicher Bildung ist nach wie vor zu gering und das Ausbildungsniveau äußerst niedrig. Ein erheblicher Teil der Jugendlichen mit Primarschulabschluss geht  als Arbeitsmigranten für einfache Tätigkeiten nach Thailand.

Die Politik der marktwirtschaftlichen Öffnung, die Laos seit 1986 mit der Einführung des „New Economic Mechanism“ verfolgt, hat dem Land jahrelang Wachstumsraten von zwischen 7 bis 9 % gebracht. 2018 lag das Wachstum bei 6,5 % (nach 2017: 6,8%). Das Bruttoinlandsprodukt wuchs 2018 auf knapp 18 Mrd. USD (2017: 17,2 Mrd USD) bei einem Pro-Kopf-Einkommen von rund 2.600 USD.

Die wirtschaftliche Entwicklung wird durch eine anhaltende Haushaltskrise belastet. Zurückgegangene Rohstoffpreise (Bergbau) und zu geringe Steuereinnahmen führten in den letzten  Jahren zu jährlichen Defiziten zwischen 4 und  5 % des BIP. Die Staatsverschuldung lag  2018 nach aktuellen Schätzungen bei 60,6 %. Die Regierung versucht durch Maßnahmen für höhere Steuereinnahmen und Kampf gegen Korruption und Verschwendung bei öffentlichen Projekten gegenzusteuern.

Bei seinen Reformanstrengungen wird Laos von der internationalen Gebergemeinschaft stark unterstützt. Etwa 75 % der staatlichen Investitionen werden von Gebern finanziert.

Umweltpolitik

Die von der Führung des Landes gewünschte rasante Wirtschaftsentwicklung nachhaltig zu gestalten und zugleich für die Entstehung von Arbeitsplätzen zu sorgen, bleibt eine zentrale Herausforderung. Die schnelle Modernisierung der letzten Jahre durch Staudammbau für den Elektrizitätsexport (Laos hat neben Myanmar das größte Wasserkraftpotential in der Region), Bergbau (vor allem Gold, Kupfer und Eisenerz) und Plantagenlandwirtschaft mit übermäßigem Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden sind nicht ohne Auswirkungen auf Böden, Wasserressourcen und Biodiversität geblieben und haben zu großflächiger Entwaldung und Forstdegradierung geführt mit einem entsprechenden Anstieg der CO2-Emissionen.

Mit zunehmenden Verboten von Bananenplantagen, die in großem Maße Pestizide einsetzen, reagiert die Regierung auf verbreitete Unzufriedenheit.

Nicht nur Umweltschutz-Gruppen, sondern auch die Mekong-Unterlieger Kambodscha und Vietnam äußern Kritik an dem von Laos geplanten Ausbau der Wasserkrafterzeugung auf dem Hauptstrom des Mekong.  Eine von unabhängigen Wissenschaftlern verfasste Studie für den Ministerrat der in Vientiane ansässigen Mekong-River-Commission warnt vor schwerwiegenden ökologischen Schäden und entsprechenden wirtschaftlichen und sozialen Folgen am Unterlauf des Mekong. Die in Laos installierte Stromerzeugungs-Kapazität liegt derzeit bei etwa 6,4 GW pro Jahr, davon 1,8 GW Braunkohle; geplant ist der Ausbau auf 13 GW bis 2021, wobei der Zuwachs ausschließlich bei der Wasserkraft liegt. Zwei Mekong-Staudämme sind im Bau (Xayabouri, Don Sahong), für zwei weitere (Pak Beng, Pak Lay) läuft das Konsultationsverfahren nach den Regeln der Mekong River Commission (MRC). Hinzu kommen  36 derzeit im Bau befindliche sowie 90 geplante und staatlich genehmigte Staudammprojekte an Nebenflüssen des Mekong.

Green Growth – Grünes Wachstum ist ein übergeordnetes Ziel der Regierung. Sie hat inzwischen eine ganze Reihe von Gesetzen zum Schutz der Umwelt erlassen (Environmental Protection Law; Forestry Law; Wildlife and Aquatic Animal Law, Dekret zum Verbot des Rohholzexports vom März 2016), wobei sie Unzulänglichkeiten bei der Umsetzung dieser Gesetze einräumt. Das Ministerium für natürliche Ressourcen und Umwelt besteht seit 2011 und wird bei zentralen Themen im Rahmen der deutschen entwicklungspolitischen Zusammenarbeit unterstützt. Die Erhaltung des natürlichen Reichtums ist nicht nur aus Umweltgesichtspunkten, sondern auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten für Laos von Bedeutung – im Hinblick auf nachhaltige Erwerbsmöglichkeiten für die Landbevölkerung und den wachsenden Tourismus.

Die deutsche entwicklungspolitische Zusammenarbeit fördert Projekte in den Bereichen nachhaltige Forstwirtschaft, nachhaltiger Bergbau, nachhaltige Wasserkraftentwicklung (MRC), Schutz natürlicher Ressourcen und Umweltbildung.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

nach oben