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01.12.2017 - Artikel

Dengue Fieber
Dengue Fieber ist in Südostasien endemisch, d. h. es kommt häufig und über das ganze Jahr vor. In städtischen Gebieten (z. B. Vientiane) und während und nach den Regenzeiten tritt es häufiger auf. Übertragen wird es durch die Aedesmücke, die überwiegend tagsüber aber auch abends und nachts sticht. Wer sich in Laos aufhält, ist ständig einer potentiellen Dengue Infektion ausgesetzt. Obwohl Dengue Fieber in den letzten Jahren weltweit zugenommen hat, wird es vor Ort oftmals  überdiagnostiziert. Man unterscheidet vier unterschiedliche Virussubtypen. Alle zirkulieren im ganzen Land. Wer eine Dengue Infektion durchmacht, ist gegen diesen Virussubtyp ein Leben lang immun, gegen die anderen drei Subtypen nur einige Monate. Bei einer erneuten Infektion nach mehreren Monaten oder Jahren durch einen anderen Subtypen kann es zum Dengue Hämorrhagischen Fieber mit Schocksymptomatik kommen. Dafür verantwortlich ist die überschießende Immunreaktion des Körpers mit Permeabilitätsverlust der Gefäßmembranen und entsprechenden Volumenverlust, nicht aber der Abfall der Blutplättchen (Thrombozyten), der für viele Infektionskrankheiten typisch ist. Einige Kliniken
verfügen über Labortests, die eine alte und eine neue Infektion erkennen, letztere allerdings erst frühestens vier Tage nach Symptombeginn. Entscheidend für das Vorgehen bei Dengue Infektionen ist das klinische Bild. Abfall der Blutblättchen im Blutbild und positiver aber unspezifischer Antikörpertest sind weder der Beweis für das Vorliegen einer Infektion noch Kriterium für die Einweisung in ein Krankenhaus. Kinder sind bei Reinfektionen eher durch den Kreislaufschock gefährdet. Die Therapie besteht in jedem Fall nur in der frühzeitigen Flüssigkeitsregulierung. Durch adäquate Behandlung kann die Mortalität beim Dengue Hämorrhagischen Fieber auf unter 1% gesenkt werden. Ansonsten bleibt nur durch Prophylaxe, die Mückenstiche auf ein Minimum zu reduzieren.

Aedes albopictus, die Überträgermücke der Dengueviren
In Indonesien gibt es 23 unterschiedliche Mückenarten - eine davon ist Aedes albopictus (asiatische Tigermücke), seit Jahrhunderten in Südostasien angesiedelt und bekannt als Überträger u. a. von Dengueviren. Seit Ende des letzten Jahrhunderts ist sie vom Menschen auch in Afrika, Amerika, Europa und den pazifischen Raum  eingeschleppt worden, wo sie andere Mückenarten verdrängt, die ebenfalls  Dengueviren übertragen können.
Aedes albopictus ist in den Tropen ganzjährig aktiv, eine Übertragung von
Dengueviren also jederzeit möglich. Die schwarzen 0,5 mm langen Eier werden
im Trockenen, aber in unmittelbarer Wassernähe ablegt. Die Eier (150 bis 250 pro
befruchtetem Weibchen) können der Austrocknung bis zu einem Jahr widerstehen. Anhaltender Regenfall, der den Wasserspiegel steigen lässt, löst das Schlüpfen der Mückenlarven aus. Nach fünf bis zehn Tagen verpuppen sich die Larven im Wasser und verbleiben dort. Nach weiteren zwei bis drei Tagen ist die Entwicklung abgeschlossen, die beweglichen Larven verlassen das Wasser und werden zur erwachsenen Form der Stechmücke. Dies erklärt, warum in der Regenzeit eine große Zahl von neu  geschlüpften Stechmücken für eine massive Zunahme der Übertragung von  Dengueviren zu Verfügung steht.
Der gesamte Lebenszyklus dauert bei optimalen Bedingungen (Regenzeit) 10 Tage, kann aber bei trockenen oder kälterem Wetter auf mehrere Monate ausgedehnt werden. Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, müßte während der Regenzeit alle 14 Tage mit Insektiziden gesprüht werden, vor der Trockenzeit aber reicht eine  einmalige Applikation für Monate aus. Die Flugweite der Mücken ist mit circa 200 Metern gering, gesprüht werden muss deshalb nur das eigene Haus mit  angrenzendem Garten. Brutstätten sind kleinste Ansammlungen von klarem  Regenwasser (Untersetzer von Blumentöpfen, leere Dosen, alte Reifen aber auch stehen gelassene Wassergläser in der Küche). Fließendes Wasser, verunreinigtes Abwasser oder mit Chlor versetztes Schwimmbadwasser kommt als Brutstätte nicht in Frage, bei Dengueepidemieen müssen also Schwimmbäder mit Chlor nicht geleert werden. Die chemische Beschaffenheit des Brutwassers ist abhängig von Pflanzen und abfallenden Baumblättern, ohne die der Lebenszyklus ebenfalls nicht möglich ist.
Stiche (bis zu 50 pro Stunde) erfolgen ausschließlich von befruchteten Weibchen,
die das Blut zur weiteren Reifung der Eier benötigen. Aedes albopictus sticht fast
ausschließlich den Menschen, die Angriffe erfolgen überwiegend von hinten und
an Füßen und Beinen. Die Fähigkeit zu Stechen ist abhängig vom Licht. Deshalb
ist die asiatische Tigermücke überwiegend tagesaktiv, kann aber auch nachts in
beleuchteten Räumen, Restaurants oder Bars stechen. Bei kompletter Finsternis
sticht Aedes albopictus so gut wie nie. Außerdem besteht eine deutliche Vorliebe
für die menschliche Blutgruppe 0, die doppelt so häufig gestochen wird wie die
Blutgruppe A, Gruppen B und AB werden noch seltener gestochen.
Nicht alle Tigermücken sind mit Dengueviren infiziert. Die Infektion der Mücke
erfolgt über den Menschen, wird aber von der stechenden weiblichen Mücke auf
die Eier übertragen. Weiterhin ist gesichert, dass Aedes albopictus außer alle vier
Denguevirentypen noch West-Nil-Viren, Gelbfieberviren (kein Vorkommen in Südostasien), Chikungunya-Viren und weitere Viren übertragen kann. Die zunehmende Verbreitung der asiatischen Tigermücke weltweit und die günstigen Brutbedingungen in urbaren Gegenden werden für die globale Zunahme von Dengue Infektionen verantwortlich gemacht. Durch vermehrte gleichzeitige Zirkulation verschiedener Denguetypen in einzelnen Gebieten sind Reinfektionen und die teilweise tödliche Verlaufsform des Hämorrhagischen Denguefiebers in den letzten Jahren häufiger geworden.

Vogelgrippe in Laos
In den meisten Ländern Südostasiens ist die Vogelgrippe (H5N1-Virus) in der  Geflügelpopulation endemisch. Besonders Zuchtbetriebe mit großen Beständen können davon betroffen sein, das ist auch in Laos in den letzten Jahren nicht anders gewesen. Durch konsequentes Eingreifen der lokalen Behörden und die  Unterstützung internationaler Organisationen konnten epidemieartige Ausbrüche im Tierreich immer wieder eingedämmt werden.
Bei engstem Kontakt mit infiziertem Geflügel kann das H5N1-Influenzavirus auch auf den Menschen übergreifen und eine lebensbedrohliche Lungenentzündung hervorrufen. Die vereinzelten humanen Fällen in Laos in den letzten Jahren hatten alle Kontakt zu infizierten Tieren und endeten meistens tödlich. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist eher unwahrscheinlich.
Bester Schutz vor der Infektion ist das Fernbleiben von Geflügelmärkten und die  Einhaltung von Hygienevorschriften bei der Zubereitung von Mahlzeiten. Eine Übertragung durch den Verzehr abgekochter Geflügelprodukte konnte bisher nicht nachgewiesen werden, die Ansteckung erfolgt über den Respirationstrakt.
Erste Symptome sind hohes Fieber, Husten und Luftnot. Die Wirksamkeit von Medikamenten nach erfolgter Infektion wird weiter in Fachkreisen diskutiert. Eine Impfung für den Menschen ist bisher nicht möglich. Häufige Mutationen und eine mögliche Resistenzentwicklung der Influenzaviren scheinen sich eher negativ auf mögliche Therapieansätze auszuwirken. Auch die herkömmliche Influenzaimpfung bringt keinen Schutz vor H5N1-Viren.

Auch in den nächsten Jahren wird es in Laos wahrscheinlich zu epidemieartigen Ausbrüchen im Tierreich und – meistens bei fehlender Einhaltung der  Hygienevorschriften – vereinzelt bei Menschen kommen. Die Verbesserung der betroffenen Infrastrukturen im Land hat aber bereits zu einer Eindämmung der Infektionen und zu einem wachsenden Bewusstsein in der Bevölkerung geführt.

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